S K U L L (Kapitel .0 und .1)

16:36

(um es größer zu sehen - drauf klicken)

Ich habe euch ja versprochen ein paar Texte aus meiner alten Sammlung zu geben und für den Start habe ich Skull ausgewählt. Den Roman habe ich mit 17 geschrieben und nie beendet, doch er verfolgt mich immer noch - vielleicht greife ich ihn irgendwann wieder auf. Was ich vielleicht dazu sagen sollte - ich hatte immer schon eine große Vorliebe für alles Sonderbare, Mystische, Düstere. Auch die Erzählform ist etwas verworrener hier. Ich hoffe ihr mögt es trotzdem.

Genre: Fantasy/Drama
New York, heute. Morde an jungen Frauen erschüttern die Stadt. In ihren Augen stehen der Schrecken und das Leid geschrieben. Trotzdem wagt sich eine junge Journalistin zu dem Mann, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Er scheint jedoch seine eigenen Pläne zu verfolgen.

P R O L O G .0
Ich hatte nicht bemerkt wie er gekommen war. Vielleicht saß er schon eine Stunde dort im Sessel und beobachtete mich, vielleicht auch erst ein paar Minuten. Auch konnte ich nicht sagen, ob er durch die Türe gekommen oder einfach plötzlich da war. Still und schweigsam wie so oft lehnte er in dem antiken Stuhl, die Beine nachlässig übereinandergeschlagen. Eine Strähne seines langen Haares fiel ihm in das Gesicht, doch er ließ sie dort, seine außergewöhnlichen Augen weiterhin auf mich gerichtet. Unbewusst strichen seine Finger über den Knauf seines Spazierstockes und ich wunderte mich wieder einmal wie menschlich er doch war. 
„Was schreibst du da?“, fragte er und deutete mit dem Spitz seines Spazierstockes auf meinen Schreibtisch. Einen Moment lang zögerte ich, doch da erhob er sich und kam auf mich zu. Ich behielt meinen Blick weiterhin auf das Buch vor mir gerichtet, dessen Seiten sich mit meiner feinen, geschwungenen Schrift füllten. Schließlich legte ich den altmodischen Federkiel zur Seite und horchte nur noch auf seinen Atem und Schritte, als er hinter mich trat und aufmerksam einige Zeilen las. 
„Memoiren“, antwortete ich schließlich, obwohl ich dieses Buch nie als ein solches bezeichnet hätte. Nachdenklich las ich selbst noch einmal ein paar Zeilen und ich merkte, wie meine Gedanken abschweiften weiter zurück in die Vergangenheit. Seine Körperwärme, auch wenn sie nur schwach war, regte meine Erinnerungen an, bis ich wieder seine Stimme hörte. 
„Für was schreibst du sie? Es wird dich keiner verstehen.“ Er hörte sich nicht ärgerlich oder tadelnd an, seine Stimme war ausdruckslos wie so oft, nur mischte sich etwas wie Mitgefühl dazu. 
„Keiner wird den Sinn deines Lebens verstehen. Dein Streben nach Freiheit. Dein Ziel.“ Ich erhob mich aus dem großen, lederbezogenen Lehnstuhl und zupfte meine Manschetten zurecht. Als ich wieder aufsah, langsam und ohne Eile, trafen sich unsere Blicke. Er stand nur noch eine knappe Armlänge von mir entfernt und beobachtete mich auf seine seltsam genaue Art. 
„Nur ich kann dich verstehen. Denn ich bin der Einzige der dich wirklich freimachen kann und ich bin schlussendlich auch dein Ziel“, sprach er weiter, seine Stimme schwang ruhige durch den Raum und blieb noch Augenblicke lang in der Luft hängen wie ein fernes Echo. Draußen rauschten die Bäume, als ein Windhauch ihre Blätter erzittern ließ. 
„Wahrscheinlich hast du recht … Als Letztes wird wohl der Tod mein Ziel sein, der mich dann für die Ewigkeit frei macht“, antwortete ich. Mein Blick wanderte zu den Fenstern und auf die nächtliche Straße, wo über all die Menschen schliefen, alleine mit ihren Träumen.


K A P I T E L .1 
„Warum hat ein so gut aussehender Mann wie Sie noch keine Freundin?“ Janes Blick ruhte forschend auf ihm, doch Radon erwiderte ihn nur stumm. Denn auf diese Frage gab es mehr Antworten. Und eine davon kannte sie selbst, doch sie wollte es aus seinem Mund hören. 
Im Fenster neben ihnen spiegelten sich die Lichter des Restaurants, gebrochen in den Rotweingläsern, auf polierten Silber und goldenen Uhren. Die Scheinwerfer von vorbeifahrenden Autos, reflektiert durch die zurückgebliebenen Lacken des Regens, der vor einigen Minuten verklungen war, brachten die Tropfen an der Scheibe zum Funkeln. Das nächtliche New York war in ein leuchtendes Meer aus Lichtern und Reflexionen getaucht, ein prachtvolles Farbenspiel aus gelb,  rot, blau und grün. Ampeln, Autos, Anschriften und Straßenlaternen. 
Versunken über die Betrachtungen, hatte er kurz vergessen, dass sie immer noch auf eine Antwort wartete. Schließlich hob er einen Mundwinkel zu einen spöttischen Lächeln und deutete auf sein rechtes Augen – oder die Stelle wo es hätte sein sollen. Nun wurde sie nur von einer ledernen Augenklappe verdeckt. 
„Ach das ist doch keine Antwort!“, rief sie aus und lachte ihr freundliches, fröhliches Lachen. Es war ein schönes Lachen, nicht zu schrill, nicht zu auffällig. 
„Was wollen Sie denn hören?“, fragte er und sie sah ihn aus großen, braunen Augen an. 
„Vielleicht … dass Sie Frauen meiden, weil bis jetzt fast alle ein ziemlich schlechtes Schicksal ereilt hat“, schlug sie vor und entwaffnete ihre Aussage durch ein schelmisches Lächeln. 
„Wie viel von meinen Aussagen kann ich dann morgen in der Zeitung lesen?“ Über die Jahre hatte er gelernt, dass man mit Journalistinnen nicht viel über Privates sprechen sollte – vor allem wenn man sich sicher sein konnte, dass sie sich nur mit einem trafen, weil man interessante Informationen liefern könnte. 
„So schnell geht das nicht“, wehrte sie ab und er nahm einen Schluck aus seinem Glas. 
„Wenn ich wirklich etwas mit den Morden an den jungen Frauen zu tun hätte – warum gehen Sie dann das Risiko ein, sich mit mir zu treffen?“ Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und stellte mit geringer Überraschung fest, dass es ihm Spaß machte mit ihr zu reden und diese kleinen verbalen Ringkämpfe auszufechten, die doch immer spielerisch und neckend blieben. 
„Sie umgibt das dunkle Geheimnis wie eine schwarze Aura. Ich kann das spüren. Und es ist verlockend … ein Geheimnis hat immer etwas Faszinierendes – vor allem für uns Frauen“, antwortete sie. 
„Also werde ich in Ihren Artikel die Rolle des düsteren Liebhabers erhalten?“, fragte er und sie kicherte amüsiert. 
„Soweit waren wir doch nach gar nicht …“, meinte sie, aber in ihren Augen funkelte etwas verräterisch. 
„Ich meinte der Liebhaber der armen, ermordeten Mädchen“, erwiderte er und nun errötete sie endlich. Auf ihren hübschen Wangen flammte rot der Scham auf und er lächelte, zufrieden über den kleinen Sieg. 
„Werde ich auch mit leidverzerrten Gesicht morgen in einer Gasse gefunden?“ Sie verlagerte ihr Gewicht, überschlug die Beine und sah ihn herausfordernd an. 
„So schnell geht das nicht“, zitierte er sie und beugte sich über den Tisch zu ihr. „Auf jeden Fall das was den Mord angeht. Aber Sie können, wie die armen, ermordeten Mädchen morgen in meinem Bett aufwachen“, schlug er vor. 
„Sie haben aber auch überhaupt keine moralischen Probleme“, tadelte sie ihn, doch das Ja klang in jedem Wort mit. Sein Blick wanderte in ihren Ausschnitt und auf ihre perfekten Brüste. Doch er kam nicht zu einer Antwort. 
Ein Schrei zerriss die ruhige Atmosphäre des Restaurants, die sittlichen Gespräche und sanftes Geklapper von Bestecken. Es war kein wohliger Schrei, keiner aus Wonne, Freude oder Liebe. Schieres Entsetzten und Leid formte den Klang und ließ ihn über die Straße in das Restaurant schallen. 
Geschocktes Schweigen breitete sich aus, die Gäste warfen sich verwirrte Blicke zu. Die Ersten erhoben sich und suchten nach der Ursache. 
Ein Schuss platzte in die angespannte Luft und sein Echo blieb noch lange in den Ohren der Menschen. Er brannte sich in ihr Gehirn und nun zeigte sich auch Entsetzten auf ihren Gesichtern. 
Radon sprang auf und eilte zu der Türe des Restaurants, riss sie auf und stürmte in den feinen Nieselregen, der sich über New York senkte. Die Welt hielt den Atem an, die Leute standen herum, starrten. 
Wenn er schnell war konnte er ihn noch erwischen. Denn als er den Schrei gehört hatte, wusste er was passiert war. Und doch hatte ihn sein eigener Schreck an den Sessel gefesselt und ihn nur hilflos einen weiteren Mord geschehen lassen. 
Da hörte er leichte Schritte ihm folgen. Jane lief ihm nach. Doch er ignorierte sie und eilte auf eine düstere Seitengasse zu. Dort lag die Leiche. Die düsteren Schatten verrieten das Versteck. Es würde nicht auf heller Straße geschehen, denn man würde ihn sehen. 
Und da roch er es schon. Den Gestank von Tod, Blut und Kugelfeuer. Die Leiche selbst war eine junge Frau. Sie lag mitten in der kleinen Gasse, außerhalb des Lichtkegels der Straßenlaternen. Ihre weiße Bluse war offen, der BH zerschnitten und ihr Busen lag frei. Blut war über ihren nackten Oberkörper verspritzt. 
Er kannte die junge Frau – was ihn nicht gewundert hatte. Eine Nacht lang hatte er sich mit ihr vergnügt, doch seither schlich sie hinter ihm her, getrieben von Eifersucht auf die anderen Frauen, die er traf. Und nun war auch sie tot. Er hatte schon gedacht, sie bliebe verschont... 
Sie hatte sich selbst ermordet. Ein Schuss in den Kopf. Er hatte eine scheußliche Wunde hinterlassen und überall Blut und Gehirn verteilt. Doch die Pistole fehlte. Sie war wieder mitgenommen worden. 
Er richtete sein Augenmerk auf ihr Gesicht, obwohl er sich eigentlich den Anblick ersparen wollte. Pures Leid und tiefste Trauer stand darin geschrieben. Als hätte sie den ganzen Schrecken des Lebens und die ganze Hässlichkeit der Welt gesehen. Aller Liebe beraubt. Es stimmte wahrscheinlich auch. 
Neben ihr lagen Glassplitter im Blut. Auch ohne sie zusammenzusetzen wusste er was sie ergaben – einen gläsernen Ball. 
Da spürte er ihn. Seine Ausstrahlung und seinen Blick, eindringlich und höhnisch. Abrupt drehte er sich um, seine Augen wanderten über die Straße. 
Dort stand er, angeleuchtet vom Leben der Stadt. Sein altmodischer Umhang und sein Haar wehten im Wind und gaben ihm etwas Gespenstisches. Er war wunderschön – auf seine ganz eigene Art. 
Neben Radon keuchte die junge Journalistin auf und er wandte für einen kurzen Moment den Blick von ihm ab. Als er wieder aufblickte, war er weg. Der düstere Engel des Todes war verschmolzen mit der Nacht und zog sich zurück um zum nächsten Schlag auszuholen. 

Wenn es euch gefallen hat und ihr mehr lesen wollt, sagt es einfach ... Wenn nicht dann werde ich nächstes Mal einen anderen Roman von mir euch vorstellen - hab noch einige auf Lager. Wenn das Interesse an Skull groß genug ist, greife ich den Roman vielleicht wirklich wieder auf und schreibe weiter. 

Bis bald!

You Might Also Like

14 Kommentare

  1. Ich bin ja ein Freund der Worte - und das hier finde ich wirklich toll! :)

    AntwortenLöschen
  2. danke für deinen Kommentar!
    Hihi ich kann es auch jedem ans Herz legen London zu bereisen
    - die Stadt ist zu schön :)
    Ich mag deinen Blog wirklich sehr, bin gleich Leserin geworden :-*

    xoxo

    AntwortenLöschen
  3. hey du ! :)
    zur zeit läuft bei mir eine blogvorstellung !
    vll magst du ja mitmachen?
    würde mich echt freuen <3

    liebe grüße !

    http://mytimeisnowdaria.blogspot.de/


    http://mytimeisnowdaria.blogspot.de/

    AntwortenLöschen
  4. Hallo!
    Erst mal Danke für dein liebes Kommentar!
    Außerdem: wooow! Ich liebe deinen Blog *_*
    Schon dein Header ist wunderschön, dann diese genialen Fotografien und dann auch noch dieser tolle Text! Genial!

    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  5. lovelyyy!
    shall we follow by facebook and bloglovin?
    www.supongoestilo.blogspot.nl

    AntwortenLöschen
  6. Nice blog!

    http://miestilobasico.blogspot.com

    AntwortenLöschen
  7. vielen lieben dank fuer die super lieben worte!
    freut mich wirklich sehr!
    ich fuehl mich auf deinem blog auf ganz schoen wohl! x

    AntwortenLöschen
  8. Das ist wirklich richtig toll geschrieben, hier werde ich nun öfter vorbeischauen!

    Hier geht's zu meinem Blog – Folgst du mir, folge ich dir

    AntwortenLöschen
  9. Wow das hast du mit 17 geschrieben. Alle Achtung!! Du hast echt Talent. Ich liebe es ja auch düster and mystisch.

    xx Mira

    www.glamdevils.com

    AntwortenLöschen
  10. Der Text ist großartig!! Würde mich über mehr freuen. ;D

    AntwortenLöschen
  11. Liebe Beth,

    ach der Text weckt Erinnerungen. Diese Zeit scheint ewig her, so viel hat sich verändert und trotzdem mag ich Skull nach wie vor unheimlich gerne. Der Prolog ist zum Ende hin etwas holprig, wirkt an einigen Stellen gezwungen, doch das erste Kapitel fließt wunderbar dahin, ich hab mich ganz im Lesen verloren. Du schreibst übrigens gar nicht so "durcheinander", wie du denkst. Man kann dir gut folgen, finde ich zumindest, was vor allem daran liegt, dass du eine feste Location (New York) und eindeutige Protagonisten hast.
    Ich würde gerne wieder mehr von Skull lesen. Es ist doch jetzt die richtige Jahreszeit, um daran zu schreiben, oder?

    LG

    AntwortenLöschen

Follower

Bloglovin

Follow

Facebook

INSTAGRAM

Subscribe